Leseprobe: Wie alles anfing

 

ISBN 978-3407859594, gebunden, 160 Seiten, 12,90 Euro

 

Wie alles anfing

Unser Sohn wollte nicht schlafen, bzw. schlafen wollte er schon, aber nicht alleine und erst recht nicht die ganze Nacht durch. Schon im Krankenhaus hat er das klargestellt und dabei eine enorme Durchsetzungskraft bewiesen.

Nachdem er sich - obwohl er sowieso schon 10 Tage Verspätung hatte – während der Geburt über Stunden nicht vom Fleck bewegt hat, wurde meiner Räumungsklage schließlich stattgegeben und er wurde per Kaiserschnitt hinausbefördert. Wahrscheinlich war das schon sein erster Versuch, bei Mama zu bleiben. Zum Glück ist dieser Versuch im Gegensatz zu allen folgenden Versuchen gescheitert. Das wäre auf die Dauer dann doch etwas eng geworden.

„Gut“, hat er sich dann wohl gedacht „wenn ich schon nicht in der Mama bleiben kann, dann doch wenigstens ganz nah bei ihr“. Kein Problem, wenn da nicht noch der Zusatz „und zwar immer, also auch beim Schlafen“ wäre. Von da an forderte er vehement sein Recht ein, wenn schon nicht im, so dann doch wenigstens auf dem Bauch schlafen zu dürfen. Räumungsklage hin oder her. Man muss allerdings fairer weise sagen, dass er sich nicht auf Mamas spezialisiert hat. Papas, Omas, Tanten und Onkel sind auch Ok. Hauptsache nicht alleine.

Nun gab es da allerdings ein Problem. Aufgrund des Kaiserschnitts konnte ich ihn nicht alleine aus seinem Bettchen heben. Deshalb musste er nachts ins Schwesternzimmer und sollte mir nur zum Stillen gebracht werden. Nach dem Stillen sollte ich die Schwestern herbeiklingeln, damit sie das satte und schlafende Baby wieder abholen können. So die Theorie. Aber da haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht, wie man so schön sagt. Junior schrie, kam zu Mama, trank Milch, schlief ein. Mama rief die Schwester, die Schwester kam, die Schwester legte das Baby ins Bettchen, um es ins Schwesternzimmer zu bringen (der aufmerksame Leser wird feststellen, dass wir uns bis hierhin noch im Bereich der Planung bewegen). Da allerdings wachte das Baby auf, schrie, kam wieder zu Mama, wurde im Arm gewiegt und schlief wieder ein. Daraufhin wurde wieder die Schwester geholt, die versuchte das Baby ins Bett zu legen… und schon waren wir in einer Endlosschleife gefangen. Sollte er sich doch mal, quasi aus Versehen, mit ins Schwesternzimmer nehmen lassen, kam er spätestens nach einer halben Stunde wieder zurück. So ging das 4 Nächte lang. Tagsüber war mein Mann da und wir hielten den Kleinen abwechselnd im Arm, weil er sich auch tagsüber nur in Ausnahmefällen bereit erklärte, in seinem Bett zu liegen. Langsam wurde das Ganze allerdings sehr aufreibend für uns. Die Nachtschwestern waren schon entnervt, was die Nächte nicht gerade angenehmer machte. Tagsüber bekamen wir nicht erbetene Ratschläge, die alle darauf abzielten, dass wir unser Kind nicht daran gewöhnen sollten, immer auf unserem Arm sein zu wollen. Es werde verwöhnt. Dazu sahen wir die Kinder der Zimmernachbarinnen, die stets in ihren Betten blieben und vor sich hin schlummerten. Nachts kamen die nur alle 3-4 Stunden mal zum Stillen und schliefen weiter.

Wir wurden unsicher und fragten uns schon ins Geheim, ob irgendwas mit uns und unserem Kind nicht stimmt. Wieso schläft er nicht?

Wir haben alle Ratgeber rauf und runter gelesen, aber darauf waren wir nicht gefasst. Wir dachten Babys schlafen dauernd und schlafen ist doch kein Problem. Das kann doch jeder, das ist doch babyleicht. Aber nein: Baby schläft nicht und schon gar nicht leicht.

Nach 4 Tagen kam dann endlich der Durchbruch. Junior hat seine erste Schlacht gewonnen, indem er seine Gegner mürbe gemacht hat. Durch den Schichtwechsel kam in der 4. Nacht eine neue Nachtschwester und diese erwies sich als eine Babyversteherin. Sie erklärte mir, dass mein Sohn sich alleine nicht wohl fühle und deshalb im Schwesternzimmer Randale mache. Er wolle Nähe und Körperkontakt. Das sei ganz normal, schließlich war er ja auch neun Monate im Bauch und ist die Nähe gewöhnt. Außerdem, es gäbe halt anspruchsvolle und weniger anspruchsvolle Kinder. Dann hat sie das Bettgitter hochgeklappt. Ein Stillkissen zum Schutz hingelegt und den kleinen Mann an meiner Seite platziert. So konnten wir die letzten Nächte viel entspannter verbringen. Und dennoch. Ein unangenehmer Beigeschmack blieb. Wir haben ein „anspruchsvolles“ Kind? Was soll das heißen? Wieso haben wir kein normales, sondern ein „anspruchsvolles“ Kind?

Zu hause angekommen sollten wir dann feststellen, welche Dimensionen der Begriff anspruchsvoll annehmen kann. In den ersten Wochen wurden wir von unserer neuen Aufgabe überwältigt. Unser Leben wurde komplett auf den Kopf gestellt und alles drehte sich nur noch ums Kind und ums Überleben. Wir waren, neben der Versorgung unseres Säuglings, in erster Linie damit beschäftigt irgendwie unsere lebensnotwendigen Grundbedürfnisse zu befriedigen. Das heißt, dass wir versuchten, ab und zu mal was zu essen, ein bisschen zu schlafen, hin und wieder zu duschen und gegebenenfalls auch mal auf Toilette zu gehen. Und das Erschreckende daran war: All das hinzukriegen stellte uns, zwei Erwachsene, halbwegs gebildete Menschen, die bis dato mitten im Leben standen, vor enorme Schwierigkeiten.

Was uns aber immer noch am meisten irritierte, war die Tatsache, dass sich unser Sohn einfach nicht ablegen lassen wollte. Auf dem Arm schlief er wunderbar, sobald wir ihn ins Bett legten, wachte er auf. Das war unheimlich anstrengend und dazu kam das belastende Gefühl, dass das doch irgendwie nicht normal ist. Wir machen was nicht richtig, wir sind nicht richtig, unser Baby ist nicht richtig. Und von allen Seiten hörten wir: „Wenn ihr ihn auch so verwöhnt…“ Aber mal ehrlich. Was hätten wir denn machen sollen? Sobald der kleine Mann alleine in seinem Bett lag, fing er an zu weinen. Hätten wir unser geliebtes Baby einfach weinen lassen sollen? Er war doch winzig und so hilflos. Das kam für uns nicht in Frage. Verzweifelt fragten wir unsere Hebamme um Rat. Doch die war uns dabei auch keine große Hilfe. Ihre Theorie war, dass es ihm im Bett zu kalt sei und er Körperwärme wolle. Darum sollten wir sein Bett mit Kirschkernsäckchen anwärmen. Von da an rannten wir den ganzen Tag mit Kirschkernsäckchen bewaffnet zwischen Mikrowelle und Babywiege hin und her und prüften die Temperatur. Gebracht hat es nix.

Zu diesem Zeitpunkt erwachte in mir allerdings die erste Ahnung davon, dass unser Sohn vielleicht doch nicht ganz so außergewöhnlich ist. Mir fiel nämlich das riesige Sortiment an Tragehilfen ein, dass ich schon während der Schwangerschaft bewundert habe. Dass diese Dinger allerdings zum Schlafen sind, ist mir damals nicht in den Sinn gekommen. Aber man ist offensichtlich verblendet, wenn man ein Kind unter seinem Herzen trägt...

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