NEU Leseprobe: Social Brain

Leseprobe: Social Brain

 

ISBN 978-3407859594, gebunden, 160 Seiten, 12,90 Euro

Social Brain

Warum tun wir, was wir tun? Warum begehren wir etwas? Und was motiviert uns?

Eine Antwort darauf hat die Neurobiologie in den Motivationszentren unserer Gehirne gefunden. Das sind, ganz vereinfacht gesagt, Zentren, in denen unter bestimmten Bedingungen, Botenstoffe freigesetzt werden, die uns glücklich und zufrieden machen und uns berauschen. Die Motivationszentren sind sozusagen körpereigene Drogenanbaugebiete. Die Drogen, nach denen wir alle süchtig sind, heißen Dopamin, Oxytozin und endogene Opioide.

Jetzt ist es aber so, dass wir die Ausschüttung dieser Botenstoffe nicht willentlich beeinflussen können. Wir können nicht sagen, „ach ich bin heute so schlecht drauf, ich gönne mir mal eine extra Dosis Dopamin“. Das ist nicht möglich. Was aber möglich ist, ist immer wieder Situationen herbeizuführen, in denen unser Gehirn die jeweiligen Botenstoffe freisetzt. Und das tun wir und zwar nicht nur gelegentlich, sondern dauernd. Alles, was uns überhaupt zum Handel motiviert, ist die Aussicht auf mehr körpereigene Drogen. Würde unser Hirn uns für unsere Handlungen nicht mit einer kleinen Dosis Rauschmittel belohnen, wären wir antriebslos und depressiv. Nun hat sich die Forschung aber gefragt, was eigentlich das Ziel unserer Handlungen ist. Zu was will unser Hirn uns bringen, indem es uns mit Rauschdrogen dressiert. Und die Antwort ist überraschend:

„Das natürliche Ziel der Motivationssysteme sind soziale Gemeinschaft und gelingende Beziehungen mit anderen Individuen […]. Für den Menschen bedeutet dies: Kern aller Motivation ist es, zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung oder Zuneigung zu finden und zu geben. Wir sind – aus neurobiologischer  Sicht – auf soziale Resonanz und Kooperation angelegte Wesen.“ (Bauer 2006; S. 34)

Unser Gehirn verfolgt also soziale Ziele. Die Aussicht auf soziale Annerkennung und Zuwendung aktiviert unsere Motivationssysteme mehr als alles andere. Wohingegen die Motivationssysteme abschalten, „wenn keine Chance auf soziale Zuwendung besteht […]. Über längere Zeit vorenthaltener sozialer Kontakt hat den biologischen Kollaps der Motivationssysteme des Gehirns zur Folge.“ (Bauer 2006, S. 35-36) Und führt somit zu Apathie und zum Zusammenbruch jeglicher Motivation. Wenn unser Handeln, das auf sozialen Kontakt ausgerichtet ist, also erfolglos ist und wir den gewünschten sozialen Kontakt nicht herbeiführen können, verlieren wir unsere Motivation, werden antriebslos, depressiv und apathisch. Wie mag es da einem Baby gehen, auf dessen Schreien keiner reagiert? „Im Gegensatz zu Erwachsenen, bei denen diese Zusammenhänge kaum noch wahrgenommen werden, ist die Abhängigkeit der Motivation von Bezugspersonen bei Kindern und Jugendlichen noch relativ unverstellt und daher leichter zu erkennen.“ (Bauer 2006, S. 37)

Aber nicht nur Kinder sind hoch motiviert mit ihren Eltern sozial zu interagieren, auch Eltern haben eine enorme Motivation, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern. In einem Versuch wurde Müttern das Weinen ihrer Babys vorgespielt, während die Aktivität ihrer Hirnareale überwacht wurde. Sowohl ihr Motivationszentrum, als auch die umliegenden Areale für Emotionen und für Bewegungs- und Handlungssteuerung reagierten massiv. (vgl. Bauer 2006, S. 40) Sie hatten also eine so starke Motivation auf ihre Kinder zu reagieren, wie Heroinsüchtige eine starke Motivation haben, sich ihre Droge zu beschaffen! So lässt es sich auch erklären, warum es vielen Eltern so schwer fällt, ihre Kinder schreien zu lassen. Wir sind also süchtig nach unseren Kindern oder, wie Bauer es formuliert:

„Weil wir auf Bindung geeicht sind, sind wir bereit für solche Menschen alles zu tun, ja, uns für sie aufzuopfern. Zunehmend wird deutlich: Die stärkste und beste Droge für den Menschen ist der andere Mensch.“ (Bauer 2006, S. 52)

 

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